Umsetzung der Generalmanagement-Strategie über das MITO-Führungssystem Autor:Prof. Dr.-Ing. Hartmut F. Binner Prof.Binner

1.    Einleitung
Vor 23 Jahren stellte Prof. Binner sein im Springer Verlag erschienenes Buch zur

„Strategie des Generalmanagements“ als Ausweg aus der Krise

als Reaktion auf die damals sehr aktuelle Lean-Produktion und Lean-Managementphilosophie-Diskussion vor. Ausgangspunkt für die Anwendung dieser Generalmanagement-Strategie war der Paradigmenwechsel von der Funktionsorientierung zur Prozessorientierung. Dieser Paradigmenwechsel war gekennzeichnet durch die Abkehr von funktionsspezifischen, hierarchiebezogenen Organisationsstrukturen hin zu teamorientierten, selbst- bzw. eigenverantwortlichen Führungskonzepten mit dem Mitarbeiter im Mittelpunkt. Diese Veränderung war für die Führungskräfte gravierend, weil die Koordination und Kommunikation nicht mehr auf Befehl und Gehorsam, sondern mehr konsensorientiert aufgebaut war. Sehr ausführlich sind in dem Buch Managementführungssysteme wie Qualitäts-, Logistics-, Compliance-, KVP-, Produktionsmanagement usw. in vernetzter Form über einen ganzheitlichen Lösungsansatz beschrieben.

Basis für die Umsetzung und Vernetzung dieser Managementsysteme war und ist es auch heute immer noch der analysierte und dokumentierte end-to-end-Business-Prozess. Vielfach findet hier die Anfang der 80er Jahre im Rahmen der Doktorarbeit von Prof. Binner entwickelte Swimlane-Darstellung Verwendung, die im Jahr 2002 von der Objekt Management Group (OMG) in Amerika im Rahmen der von ihr erstellten Business Process Modeling Notation 2.0 zum weltweiten Prozessvisualisierungsstandard erhoben wurde. Leider ist die Situation aber nach wie vor so, dass in vielen Unternehmen trotz erheblicher Anstrengungen die Optimierungsprojekte nicht nachhaltig umgesetzt werden. Ein Hauptgrund dafür ist die fehlende systemische Voraussetzung, weil die Verantwortung des Führens und Leitens von Prozessen und Projekten nicht definiert ist. Ein Verbesserungs-Regelkreis existiert nur rudimentär. Hinzu kommt – nach den Ergebnissen oder der gfo-Studie der in 2014 zur Durchdringung der Prozessorientierung in Deutschland -, dass die Prozessorientierung im Management noch nicht angekommen ist und die Verantwortlichen das Prozessmanagement an die unteren Ebenen delegieren, selbst aber weiter funktionsorientiert denken und handeln.

2 Jahrzehnte später – also in der Gegenwart – stehen wieder Veränderungsprozesse in den Unternehmen ins Haus, diesmal technikgetrieben über die 4 neuen Informationstechnologien „Cloud-Computing, Enterprise Mobility, Industrie 4.0 und Social Business“. Die Vernachlässigung der Prozessparadigmaumsetzung könnte sich jetzt entscheidend ändern, weil viele Organisationsexperten der Meinung sind, dass der Businessprozess bei allen notwendigen Anpassungen im Mittelpunkt der technischen Vernetzung und der dazugehörenden Veränderungskonzepte steht. Der Lösungsansatz dafür ist die Entwicklung und Einführung des in Kapitel 2 beschriebenen unternehmensspezifischen Führungssystems.

Für die zielführende Anwendung dieser General-Management-Strategie mit den beschriebenen Anforderungen, Zielen und Inhalten hat Prof. Binner in den letzten 5 Jahren ein MITO-Methoden-Tool entwickelt, das in digitalisierter Form eine große Anzahl von elementaren Management-, KVP-, QM- und Kreativitätsmethoden den Verantwortlichen zur Verfügung stellt, um in einem übergreifenden Problemlösungszyklus bestehend aus

„Analyse, Diagnose, Therapie und Evaluierung“

effizient und effektiv die notwendigen Führungssystem-Umsetzungsaktivitäten durchzuführen. Hierfür gibt es einen detaillierten MITO-Führungssystem-Leitfaden und fast 2000 Referenz-Portfoliomatrizen und Referenz-Checklisten. Bezugs- und Ordnungsrahmen für die MITO-Führungssystem-Aufgabenstrukturierung ist dabei das MITO-Modell, das im General-Management-Strategie-Buch genannten prozessbezogenen Konzeptansätze in Form eines kybernetischen Regelkreismodells miteinander verknüpft und damit die einleitend geforderte Umsetzung realisiert.
2.    MITO-Führungssystem-Beschreibung
Das MITO-Führungssystem gibt auf der Grundlage der vorhandenen Führungsphilosophie und –politik die prozessorientierten Führungsstrukturen vor. Enthalten sind auch die Führungsinstrumente und Integrierten Managementsysteme (IMS) für die individuelle Unterstützung der Führungskräfte bei der Erledigung der strukturellen und persönlichen Führungsaufgaben zur zielorientieren Verhaltensbeeinflussung, um das Erreichen der formalen, sachlichen und sozialen Unternehmensziele abzusichern.

Dieses MITO-Führungssystem ist generisch aufgebaut und lässt sich sehr leicht unternehmens-spezifisch anpassen. Die Struktur ist in Abbildung 1 dargestellt. In den dazu vorliegenden Implementierungs-Leitfaden sind die ebenfalls in Abbildung 1 genannten Module ausführlich erläutert.

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Abbildung 1: Prozessorientierte MITO-Führungssystem-Entwicklung und -Implementierung

Jedes Modul zeigt autonom die Konzeptentwicklung und Implementierung des jeweiligen Themengebietes. Der Anwender kann entscheiden, welche Module er verwenden möchte. Weitere Module, wie z. B. die Industrie 4.0-Implementierung lassen sich sofort in das übergeordnete MITO-Führungskonzept integrieren. Zudem besitzt es sehr viele Differenzierungsmerkmale, die bisher in dieser Form noch nicht zusammengefasst entwickelt wurden. Ergänzend dazu wird durch das MITO-Methoden-Tool ein Umsetzungswerkzeug angeboten, das durch die digitalisierte Methodenbereitstellung eine zielführende Abarbeitung der Führungsaufgaben stark erleichtert.
3.    MITO-Tool-Beschreibung
Beim MITO-Methoden-Tool handelt es sich um eine MS-Office oder SharePoint-Anwendung, in der eine ganze Anzahl von -in der Literatur als japanische Managementmethoden bezeichneten- Problemlösungswerkzeugen miteinander über den MITO-Modell-Ordnungs- und Anwendungsrahmen in einem übergeordneten Analyse-, Diagnose-, Therapie- und Evaluierungszyklus verknüpft sind. Gleichzeitig wird dabei der PDCA-Verbesserungskreislauf abgebildet. Enthalten in der Toolfunktionalität sind verschiedenartige Portfolio-, Affinitäts-, Matrix-, Sensitivitäts-, Korrelations- und Relationsdiagramme und -bäume, erweiterte Nutzwert- und Wirkungsanalysen, FMEA- und PDCA- sowie Reifegradbewertungsmodelle. Im Mittelpunkt stehen zielführende Problemlösungsvorgaben und die Wissensvermittlung bei Anwendung dieser verschiedenen Managementmethoden auf der Grundlage von Referenzchecklisten, -Portfolios und -Prozessen. Weiter bildet das MITO-Methoden- werden. Integriert sind Quick Check – Programme zur Potenzialaktivierung oder Schwachstellenbeseitigung für unterschiedliche betriebliche Aufgaben – und Problemstellungen. In dem im Tool auch unterschiedlichste bereits vorhandene oder auch noch selbst zu entwickelnde Evaluierungs-, Assessments- und Reifegradmodelle ab, die ebenfalls über den PDCA-Zyklus umgesetzt werden.

In dem im September im Springer/Gabler-Verlag erscheinenden Buch „Methoden-Baukasten für ganzheitliches Prozessmanagement“, ISBN 978-3-658-08408-0, ISBN 978-3-658-08409-7 (eBook), 246 Seiten, September 2015 werden zusammen mit der detaillierten Beschreibung der systematischen Vorgehensweise eine große Anzahl von MITO-Praxisbeispielen erläutert. Abbildung 2 zeigt den Einsatz des MITO-Methoden-Tools in Verbindung mit der end-to-end-Businessprozessanalyse, die im Rahmen des im Führungssystem-Leitfaden in Kapitel 4.0 beschriebenen ganzheitlichen BPM-Moduls stattfindet. Aber auch in allen, weiteren Führungssystemmodulen findet das MITO-Methoden-Tool vielfältig Anwendung.

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Abbildung 2: Ganzheitliche methodengestützte Business Process Management (BPM)-Umsetzung

Der im ersten Abschnitt mit dem sycat-BPM-Tool analysierte, modellierte und dokumentierte Prozess wird im 2. Abschnitt über die digitalisierten bereitgestellten MITO-Methoden noch unterschiedlichen Gestaltungssichten und Führungssystemkomponenten tiefergehend analysiert. Zu den unterschiedlichen Anwendungsfällen werden MITO-Referenz-Portfolios und –Checklisten zur Verfügung gestellt.
4.    Zusammenfassung
Die Businesswelt verändert sich aufgrund der aktuellen Markt-, Produkt- und IT-Megatrends schnell und gravierend. Die zentrale Frage der obersten Geschäftsführung und –Leitung lautet dabei:

„Wie organisieren unsere Führungskräfte und ich unser Business, damit wir mit unserem Produkt oder unserer Dienstleistung bei unseren Kunden erfolgreich sind?“

Die Antwort auf diese Kernfrage lautet:

„Erfolgreich sind wir nur, wenn wir unseren Businessprozess so organisieren, dass er kundenspezifisch in kürzester Zeit fehlerfrei zu niedrigsten Kosten unsere Kunden zufriedenstellt“

Eine Schlüsselfunktion übernehmen hierbei die Führungskräfte. Das oben vorgestellte MITO-Führungssystem gibt über das MITO-Modell die prozessorientierte Führungssystemstruktur vor und stellt für die Umsetzung der Hard- und Softfacts-Führungsbalance die dafür notwendigen Instrumente, Tools und Methoden zur Verfügung. Gleichzeitig werden die Führungskräfte in die Pflicht genommen, trotz der erhöhten Komplexität die Mitarbeiter so effektiv und effizient zu führen, dass die Unternehmensziele erreicht werden.

Durch das neuentwickelte Führungssystem mit der toolgestützten Vorgehensweise wird in kürzester Zeit transparent und belastbar ein organisationsspezifischer Produkt-, Prozess- sowie Veränderungs- und Handlungsbedarf ermittelt, der die Stärken und Schwächen im Unternehmen sowie die Chancen und Risiken des Unternehmens am Markt aufdeckt und über geeignete Strategien bzw. Maßnahmen in den identifizierten Prozessen beherrschbar und kontrollierbar macht. Auf diese Weise wird für das Management die Voraussetzungen geschaffen, die Mitarbeiter so zu führen, dass nach einer organisationsspezifischen Veränderungs- und Anforderungsermittlung über eine agile Vorgehensweise die Geschäftsprozesse an die neuen Kunden- und IT-Entwicklungen angepasst werden. Die Wandlungsfähigkeit ist somit gesichert.

 

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